Pechnelke - ein Glücksfall für Pflanzen

Die Pechnelke ist eine eher unscheinbare Vertreterin im Pflanzenreich, der man bei ihrem schlanken, hohen und grazilen Wuchs nicht ansieht, welche unglaublichen Kräfte in ihr wohnen.


 Wie der deutsche Name schon andeutet, gehört sie zu den Nelkengewächsen (Caryophyllaceae) und ist unter anderem mit Wasserdarm, Vogelmiere, Seifenkraut und Leimkraut verwandt. Sie wird etwa 60 cm hoch, hat lange, lanzettliche Blätterpaare und kleine violette Blüten mit fünf Blättern und einem verhältnismäßig langen Blütentrichter. Die Blütezeit reicht von Mai bis Juni.

Ursprünglich stammt die Pechnelke aus dem Raum rund ums Mittelmeer. Auch hierzulande heimisch, kennt man sie als beliebte Pflanze für Steingärten, Naturwiesen und Wildgärten. Als subtropische mediterrane Pflanze fühlt sie sich in Gebüschen, Feldrainen und Wäldern an trockenen und warmen Standorten wohl, wo man sie meist in Gruppen und selten einzeln antrifft. Dort ist den Menschen auch ihre Wirkung auf benachbarte Feldfrüchte nicht entgangen. Der viel zitierten Bauernweisheit ist die ertragfördernde Wirkung der Pechnelke, wenn sie nah an Feldfrüchten wächst, schon seit Jahrhunderten bekannt.

Wissenschaftlern des Institutes für Landwirtschaftliche Botanik der Universität Bonn unter der Leitung von Prof. Heide Schnabl gelang nun der wissenschaftliche Beweis für die Wirkung der Pechnelke. Sie haben festgestellt, daß zum einen das Wachstum von Pflanzen gefördert wird, was sich auch auf den Fruchtertrag auswirkt und zum anderen die Immunkräfte der mit dem Extrakt der Pechnelke behandelten Pflanzen merklich gestärkt werden. Diese Wirkung beruht auf zwei in der Pechnelke gebildeten Wachstumshormonen, sogenannten Brassinosteroiden. Diese Hormone hatte man bei einer solchen Pflanze zunächst gar nicht vermutet und eines der beiden ist zudem eine echte Neuentdeckung.

Schon seit geraumer Zeit ist die immunfördernde und stärkende Wirkung von Pflanzenwirkstoffen auf andere Pflanzen bekannt. Algenextrakte zur Förderung des Wurzelwachstums und der Extrakt des Sonnenhutes (Echinacea) zur Stärkung der Pflanze sind nur zwei Beispiele hierfür. Der Pechnelke wird darüber hinaus auch eine therapeutische Wirkung zur Behandlung von Pilzkrankheiten nachgesagt.

Jean Pütz hat die Pflanze im Juni 2001 in der Hobbythek des WDR vorgestellt und im Hobbytip zur Sendung einen Extrakt der Pechnelke präsentiert. Dieser Extrakt reicht in der Packungsgröße von 50 g für etwa 20 Liter Gießwasser und kostet im Handel 8 bis 9 DM. Die Lösung kann gegossen werden, um von den Pflanzen über die Wurzeln aufgenommen zu werden oder sie wird, vor allem bei reich belaubten Pflanzen gespritzt. Ähnlich dem Düngen von Pflanzen kommt es hier auf die Dosierung an. Bei zu hoher Dosierung läßt die Wirkung schnell nach.

Der Einsatz von Pechnelkenextrakt empfiehlt sich sowohl für Zimmer- als auch für Freilandpflanzen. Vor allem empfindliche Exoten können von der stärkenden Wirkung des Pflanzenextraktes profitieren. Deshalb sollten Pflanzen schon prophylaktisch damit behandelt werden. Keimlinge sollten ihre erste Behandlung etwa zwei bis drei Monate nach der Keimung erhalten, Stecklinge werden zunächst mit Algenextrakt, drei Monate später mit Pechnelkenextrakt behandelt, alle anderen Pflanzen jeweils zu Beginn der Wachstumsphase, dann etwa in monatlichem Abstand und bei Auftreten von Mangelerscheinungen oder Krankheit zusätzlich oder im Wechsel zu Düngergaben.

Wer die Pflanze in seinem eigenen Garten anpflanzen möchte, findet die Samen im Magic Seeds
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