Carnivorengarten - ein Moor für zu Hause

Carnivoren - fleischfressende Pflanzen - sind eine ebenso ungewöhnliche wie attraktive und formenreiche Laune der Natur. Eine ihrer vielen Antworten auf die Frage, wie Pflanzen unter eher feindlichen Bedingungen ihrer Umwelt überleben können. Wer Pflanzen mag, für den haben Carnivoren oft einen ganz besonderen Reiz und vielleicht haben auch Sie schon mal eine fleischfressende Pflanze erstanden und mussten feststellen, dass sie nach einiger Zeit nur noch dahin kümmerte und schließlich einging. Hier erfahren Sie, wie Sie lange Zeit Freude an diesen Pflanzen haben können.

Eigentlich sind Carnivoren sehr genügsam und stellen nur ganz wenige Ansprüche an ihre Umwelt. Die wenigen Faktoren, die zu berücksichtigen sind, haben aber eine zentrale Bedeutung. Der wichtigste Faktor sei gleich vorab genannt: fast alle im Handel erhältlichen Carnivoren sollten ausschließlich mit Regenwasser gegossen werden. Steht das nicht zur Verfügung, wird die Pflege sehr aufwendig und es ist dann von der Haltung dieser Pflanzen eher abzuraten.

Daneben ist eine konstant hohe Luftfeuchtigkeit notwendig, da die meisten Carnivoren in Feuchtgebieten beheimatet sind. Licht- und Temperaturverhältnisse sind artspezifisch. Eine der erfolgversprechendsten Methoden zur Haltung fleischfressender Pflanzen ist die Terrarienhaltung. Dieser Beitrag beschreibt, wie Sie relativ einfach und preiswert einen Carnivorengarten als Terrarium einrichten.

Material und Pflanzen
Zunächst benötigen Sie ein geeignetes Gefäß. Wir haben ein gläsernes Aquarium mit einer Größe von 30 x 20 x 20 cm gewählt. Diese Größe eignet sich sehr gut für den Einstieg in die Welt der Carnivoren. Im Handel sind Aquarien dieser Größe für unter 10 Euro zu haben. Mit ein wenig Glück finden Sie auch auf dem Flohmarkt etwas entsprechendes. Ein echtes Terrarium ist wegen der meist zu niedrigen Bodenkante weniger für unsere Zwecke geeignet und außerdem um ein Vielfaches teurer.

Für die Drainage benötigen Sie saugfähigen Untergrund wie Blähton, Tongranulat oder Perlite. In diesem Beispiel haben wir Seramis ausgewählt. Dieser Untergrund ist als Puffer unverzichtbar, weil wir ein nach unten geschlossenes System ohne Abzug haben und sonst die Gefahr von Staunässe und Fäulnis besteht.

Als eigentliches Substrat verwenden wir an besten die nicht ganz billige Carnivorenerde aus dem Handel.

Den Besatz des Carnivorengartens kaufen wir im Baumarkt, der Gärtnerei oder im Pflanzenladen. Es empfiehlt sich schon aus Kostengründen Jungpflanzen zu wählen. Sie sollten darauf achten, für den Anfang nicht zu anspruchsvolle Pflanzen zu kaufen. Vor allem aber müssen die Pflanzen von den Umweltbedingungen her zusammenpassen. Generell kann man tropische, subtropische und winterharte Arten unterscheiden. Lassen Sie sich beim Kauf beraten und achten Sie auf die Pflegehinweise auf den Artenschildern der Pflanzen. Am wenigsten Probleme werden Sie mit subtropischen und mit winterharten Arten haben. Für unser Beispiel haben wir winterharte Spezies ausgewählt. Bei der gewählten Beckengröße sollten Sie nicht mehr als 3 bis 4 Pflanzen einsetzen. Da das Gefäß abgedeckt wird, darf die Wuchshöhe der Pflanzen den Rand des Gefäßes nicht überschreiten. Die maximale Wuchshöhe sollte also Beckenhöhe minus Substrathöhe betragen.

Einrichtung
Zunächst bringen Sie in das Becken eine mindesten 3 cm dicke Schicht aus Tongranulat ein. Achten Sie darauf, dass auch die Ecken ausgefüllt sind. Die zweite Schicht besteht aus Carnivorenerde und sollte 4 bis 8 cm stark sein. Wenn Sie ein größeres Gefäß und größere Pflanzen verwenden, sollte die Schicht 10 bis 15 cm stark sein. Gleichzeitig mit dem Substrat bringen Sie die Pflanzen ein. Anschließend wird das Substrat leicht angedrückt, damit das im Untergrund gespeicherte Wasser besser in die höheren Substratschichten gesogen werden kann.

Ganz nach Geschmack kann nun noch Dekorationsmaterial eingesetzt werden, z.B. Steine oder Wurzelstücke. Die bekommen Sie im Zoogeschäft oder im Wald.

Jetzt wird das Substrat durchdringend gewässert. Die darunter liegende Schicht aus Tongranulat sollte ebenfalls durchfeuchtet sein, ohne dass sich aber eine durch Übersättigung entstehende Wasserschicht am Grund bildet. Am Schluß wird das Gefäß mit einer Glasscheibe bedeckt, die das Gefäß aber nicht völlig abschließt. Für unser Aquarium / Terrarium haben wir eine Glasscheibe zugeschnitten die 2 cm schmaler als die Beckenbreite ist, so dass an jeder Seite ein Lüftungsschlitz von 1 cm Breite bleibt. Das ermöglicht einen Luftaustausch bei gleichzeitig hoher Luftfeuchtigkeit innerhalb des Behälters und die eine oder andere Fliege findet dort hindurch den Weg ins Becken.

Pflege
Stellen Sie den Carnivorengarten an einem den Lichtbedürfnissen der Pflanzen entsprechenden Ort auf. Wenn der Behälter nicht zuviel direktem Sonnenlicht ausgesetzt ist, braucht eher selten gegossen zu werden. Die Farbe des Tongranulates ist ein guter Anzeiger dafür, wieviel Wasser bereits verdunstet oder von den Pflanzen absorbiert wurde. Steht der Behälter längere Zeit in der direkten Sonne, was nicht zu empfehlen ist, kondensiert ein Teil des verdunstenden Wassers zwar an den Glasscheiben und fließt in das Substrat zurück, wenn es kühler wird; dennoch muss dann häufiger die Feuchtigkeit geprüft und gegebenenfalls nachgegossen werden.

Falls sich auf dem freien Teil der Substratdecke Moos bildet und sie es behalten wollen, können sie die Oberfläche mit dem Sprühgerät feucht halten. Eine dichte Pflanzendecke beugt der Bildung von Schimmel vor, ebenso wie das Entfernen abgestorbener Blätter der Pflanze.

Düngen ist bei den meisten Arten überflüssig und oft sogar schädlich. Diese Pflanzen decken ihren Nährstoffbedarf durch Insekten (nicht etwa durch Mettstückchen) und derer bedarf es nicht viele. Meist reichen die im Sommer sich gelegentlich hierhin verirrenden Fliegen zur Deckung des Nährstoffbedarfs aus, so dass sie in der Regel nicht "zufüttern" müssen.

Die Überwinterung erfolgt ebenfalls nach den Bedürfnissen der Arten. Tropische Arten überwintern bei Zimmertemperatur, subtropische bei ca. 15° C, Winterharte bei Temperaturen von 5 bis 10° C. Es hat sich gezeigt, dass auch winterharte Arten gut auf kalten Fensterbänken überwintern können, solange darunter keine Heizung in Betrieb ist.

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