Umtopfen von Topf- und Kübelpflanzen

Umtopfen, wenn's der Pflanze zu eng wird... ganz so einfach läßt sich dieses Thema nicht reduzieren, denn es gibt eine Reihe von Faktoren, die zu berücksichtigen sind und eine Reihe von Entscheidungen, die getroffen werden müssen:

 

  • ist es eine langsam oder schnell wachsende Pflanze?
  • soll der Wuchs eingeschränkt werden, z.B. bei Bonsai?
  • welches Pflanzgefäß soll verwendet werden?
  • wie groß soll das neue Pflanzgefäß sein?
  • aus welchem Material soll das neue Pflanzgefäß sein?
  • welches Substrat soll verwendet werden?
  • wann soll welche Pflanze umgetopft werden?
  • in welchen Intervallen soll welche Pflanze umgetopft werden?
  • wie wird umgetopft, was ist dabei zu beachten?


Sicher gibt es noch eine Reihe weiterer Fragen aber die Antworten auf die hier gestellten sollten das Thema grundlegend abdecken.

Der richtige Zeitpunkt
Zunächst stellt sich die Frage nach dem Wann. Allgemein gilt, eine Pflanze wird umgetopft, wenn das Substrat gut durchwurzelt ist und die Wurzeln im Gefäß noch nicht eingeengt sind. Man sollte sicher nicht solange warten, bis der Topfballen so aussieht wie auf dem Foto und die Wurzeln sich bereits einen Weg aus dem Abzugsloch des Topfes gesucht haben. Da die wenigsten Töpfe aus transparentem Material sind, kann sich die Kontrolle schwer gestalten. Am sichersten fährt man mit Erfahrungswerten, die man sich aber bei jeder Pflanze natürlich erst mit den Jahren aufbaut. Zwar ist es ratsam, bereits beim Kauf einer Pflanze zu fragen, wann und wie oft sie umgetopft werden muß aber auch das ist nur ein Anhaltspunkt. Die Intervalle können auch bei Pflanzen derselben Art variieren, denn sie hängen auch von den Bedingungen ab, unter denen die Pflanze gehalten wird. Bekommt die Pflanze nicht die Bedingungen, die sie bevorzugt, wächst sie natürlich auch langsamer und muß deswegen weniger oft umgetopft werden. Im Zweifel und wenn es überhaupt möglich ist, sollte der Topfballen in Augenschein genommen werden. Hierzu wird die Pflanze vorsichtig aus dem Topf genommen und begutachtet.

Viele Pflanzen werden kurz vor Beginn der Wachstumsphase im Frühjahr umgetopft, bei anderen wartet man das Ende der Blüte ab, um die Pflanze nicht zusätzlich zu belasten, weil die Blütenbildung die Pflanze schon allein viel Kraft kostet. Im Zweifel sollte für die jeweilige Pflanzenart wirklich beim Gärtner oder Floristen nachgefragt werden.

Das richtige Pflanzgefäß
Soll die Pflanze uneingeschränkt wachsen, folgen Sie den Empfehlungen in Bezug auf Intervall und jeweils nächster Topfgröße. Wenn Sie das Wachstum einschränken wollen, topfen sie seltener um, verwenden dann nur ein geringfügig größeres Gefäß und schneiden beim Umtopfen eventuell das Wurzelwerk zurück. Durch das Zurückschneiden reicht es manchmal, dasselbe Gefäß wieder zu verwenden. Die meisten als Bonsai gezogenen Pflanzen werden nur alle paar Jahre umgetopft und dabei im Wurzelwerk beschnitten, die meisten Zimmerpflanzen alle ein bis zwei Jahre, die meisten Kübelpflanzen jährlich oder wenn der Kübel vollständig durchwurzelt ist. Einige Kübelpflanzen müssen sogar mehrfach im Jahr umgetopft werden.

Dasselbe gilt für die Größe des neuen Pflanzgefäßes. Für die meisten Jungpflanzen sollte das jeweils nächst größere erhältliche Gefäß verwendet werden. Später kann man als Faustregel den Topfdurchmesser bei langsam wachsenden Pflanzen um 2 cm, bei schnell wachsenden jeweils um 5 cm größer wählen. So ist gewährleistet, das beim Umtopfen ausreichend frisches Substrat zugegeben wird. Häufig empfiehlt es sich, altes und verbrauchtes Substrat vorsichtig und soweit möglich vom Wurzelballen zu entfernen. Wird ein zu großer neuer Topf verwendet, wird die Pflanze wesentlich mehr Energie für das Wachstum des Wurzelwerkes und weniger auf ihr oberirdisches Wachstum verwenden.

Bei der Form des neuen Topfes sollten Sie nicht nur Ihren gestalterischen Ambitionen nachgehen, sondern auch den Bedürfnissen der Pflanze. Tiefwurzelnde Pflanzen fühlen sich in einer flachen Schale nicht besonders wohl und wenn es gar eine Pflanze mit Rübenwurzel ist, sollte ein vasenförmiges Gefäß verwendet werden, das im Verhältnis zum Topfumfang wesentlich höher ist als gewöhnliche Pflanztöpfe.

Bei der Wahl des Topfmaterials können Sie Ihrem Geschmack freien Lauf lassen. Töpfe aus Ton und Terracotta sollten vor dem ersten Gebrauch für ein bis zwei Stunden vollständig ins Wasser gelegt werden, damit sie dem Wurzelballen nicht das Wasser entziehen. Schwarze Töpfe heizen sich bei direkter Sonneneinstrahlung sehr stark auf und können das Wurzelwerk schädigen. Solche Töpfe sollten Sie in einen (hellen) Übertopf stellen. Pflanzen, die sehr hoch wachsen und solche, die auf Balkon und Terrasse stehen, sollten einen schweren Topf bekommen, damit sie nicht beim ersten Windhauch umfallen.

Wenn Sie gebrauchte Töpfe verwenden ist es wichtig, die Gefäße vorher gründlich zu reinigen, wobei aber keinesfalls Reste von Reinigungsmitteln im Topf bleiben dürfen.

Das richtige Substrat
Die wichtigste Entscheidung betrifft das Substrat. Zwar fühlen sich viele Pflanzen in handelsüblicher Blumenerde oder besser Einheitserde durchaus wohl, viele Arten haben aber auch sehr individuelle Bedürfnisse in Bezug auf Bodenbeschaffenheit, Zusammensetzung des Substrates, pH-Wert, Nährstoffanteil usw. Kakteen und Sukkulenten bevorzugen nährstoffarme Erde mit hohem Sandanteil, viele blühende Arten wollen ein mehr oder weniger saures, torfhaltiges Substrat, während andere ein kalkhaltiges, leicht alkalisches Medium benötigen.

 Für einige Pflanzengruppen ist spezielles Substrat in Gärtnereien und Baumärkten fertig erhältlich und wer die Bedürfnisse der Pflanze nicht kennt, sollte gerade für das Substrat den Fachmann befragen. Auch Fertigsubstrate können und sollten nötigenfalls noch durch Zugaben von Bodenhilfsstoffen aufbereitet werden (siehe hierzu auch Pflanzsubstrate). Besonders kritisch ist das Umtopfen von Keimlingen, die vom Anzuchtsubstrat zum artspezifischen Substrat wechseln. Dieser Wechsel sollte frühestens zwei Monate nach dem Keimen erfolgen. Häufig reagieren die jungen Pflanzen empfindlich und mit dem Verlust einiger Blätter auf diesen Wechsel.

Umtopfen - gewußt wie
bereiten Sie zuerst eine genügend große Arbeitsfläche vor. Auf Ihrem "Operationstisch" sollten alle benötigten Materialien und Werkzeuge bereitliegen:

  • eine Arbeitsschale mit fertig gemischtem und aufgelockertem Substrat
  • Tonscherben und Kiesel (z.B. unbehandelter Aquarienkies mit 6-8 mm Körnung)
  • eine Eimer für altes Substrat und Pflanzenabfälle
  • eine kleine Schaufel, ein scharfes Messer und eine Schere oder Gartenschere, alles gründlich gereinigt
  • eine Gießkanne und ein Handsprühgerät mit abgestandenem Wasser mit Raumtemperatur

Und so geht’s:

    1. Bereiten Sie zunächst das neue Pflanzgefäß vor. Decken Sie das Abzugsloch mit einer Tonscherbe ab, damit es nicht verstopft (bei sehr kleinen Töpfen nicht nötig).

    2. Bringen Sie eine Drainageschicht (mindestens 1 bis 2 cm) aus Kieseln ein und geben Sie eine erste Schicht Substrat darüber. Die Schicht muß so dick sein, daß die darauf gesetzte Pflanze ihre endgültige Pflanzhöhe im Topf erreicht.

    3. Entfernen Sie vor dem Austopfen abgestorbene, beschädigte, kranke und befallene oberirdische Pflanzenteile.

    4. Entfernen Sie die Pflanze aus ihrem alten Topf. Bei weichen Kunststofftöpfen geht das Austopfen leichter, wenn Sie den Topfboden nach oben drücken. Bei allzu fest sitzenden Pflanzen muß der Topf eventuell aufgeschnitten oder vorsichtig zerschlagen werden. Die Scherben können Sie dann für das Abzugsloch verwenden.

    5. Kontrollieren Sie den Topfballen. Entfernen Sie vorsichtig möglichst viel der alten Erde, lockern Sie soweit möglich das Wurzelgeflecht auf und schneiden Sie fauliges oder beschädigtes Wurzelwerk aus.

    6. Setzen Sie die Pflanze in den neuen Topf und achten Sie dabei auf eine korrekte Position. Füllen Sie von allen Seiten Substrat auf und drehen Sie dabei gegebenenfalls den Topf. Es ist wichtig, daß die Pflanze auf derselben Höhe mit dem Boden abschließt wie im alten Topf. Achten Sie darauf, daß möglichst keine Blätter direkt auf dem Boden aufliegen.

    7. Kontrollieren Sie nochmals den korrekten Sitz der Pflanze und drücken Sie dann das Substrat leicht an. Wenn nötig, wird die Pflanze für die nächste Zeit mit einem Pflanzstab gestützt. Nun wird die Pflanze vorsichtig und durchdringend gewässert. Wenn das Substrat dabei zu sehr in sich zusammensackt können Sie anschließend noch etwas Erde bis zur vorherigen Höhe (gemessen an der Pflanze) nachstreuen.

Nach dem Umtopfen

Das Umtopfen ist für eine Pflanze immer eine ziemliche Tortur und Sie sollten ihr anschließend Ruhe gönnen. Stellen Sie die Pflanze an einen windgeschützten Platz ohne direkte Sonneneinstrahlung. Gießen Sie umsichtig und mit weichem Wasser. Die nächste Düngung sollte erst 6 Wochen nach dem Umtopfen erfolgen. Zum einen braucht die Pflanze Zeit, neue Haarwurzeln auszubilden, zum anderen hat sie durch das neue Substrat ohnehin ausreichend Nährstoffe mitbekommen. Achten Sie in dieser Zeit verstärkt auf Schädlingsbefall und abgestorbene Pflanzenteile. Nach dieser Ruhephase kann die Pflanze an ihren ursprünglichen Standort zurück.

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