Pflanzsubstrate
Für das Gedeihen oder Vergehen der Pflanze ist das Substrat ein entscheidender Faktor. Art, Zusammensetzung, Beschaffenheit, chemische und physikalische Eigenschaften spielen bei der Wahl des geeigneten Substrates eine wichtige Rolle und
erschweren gleichzeitig die Entscheidung für das "richtige" Substrat.
Problemfall Torf Die Mehrzahl der heute im Handel erhältlichen Substrate basiert nach wie vor zum Großteil auf Torf und steht deshalb zunehmend
in der Kritik umweltbewußter Verbraucher, die den Raubbau an Mooren zu Recht kritisieren. Zweifellos besitzt Torf eine Reihe positiver Eigenschaften in Bezug auf Bodenlockerung, Wasserspeicherung, Säuerung des Substrates und
Luftspeicherung. Auf der anderen Seite gibt durchfeuchteter Torf Wasser mit der Zeit nur schwer ab und ist häufig mit Pilzsporen belastet, was besonders bei Anzucht und Haltung von Zimmerpflanzen zum Problem wird. Seit einigen Jahren bemüht
sich die Substratindustrie deshalb um Alternativen, um Substrate mit vermindertem Torfanteil oder völlig torffreie Substrate. Kokosfasern und Rindenhumus sind neben Holzspänen die vielversprechendsten Alternativen, zumal sie auf
nachwachsenden Rohstoffen basieren.
Fertigsubstrate Hier hält der Markt so einiges bereit, sowohl was das preisliche Spektrum als auch Art und Zusammensetzung anbetrifft. Das Problem vieler "Noname-Substrate" aber
auch einiger Markenartikel ist eine ungenügende und nicht abgeschlossene Verrottung, die zu Schimmelbildung und damit zur Schädigung der Pflanze führen kann. Das hat besonders bei der Anzucht fatale Folgen. Für fast alle Zwecke gibt es
fertige Mischungen: Pflanzerde für den Garten, Balkonerde, Grünpflanzenerde, Kakteenerde, Zimmerpflanzenerde, um nur einige zu nennen. Pflanzenerden auf Torfbasis gibt es in den Standardausführungen TKS1 (mit geringem Dünger- und
Nährstoffanteil) und TKS2 (mit höherem Anteil an Dünger und Nährstoffen). Unter der Bezeichnung Einheitserde wird Substrat gehandelt, dem zusätzlich Ton und Lehm beigegeben sind. Ton gibt Nähstoffe an die Pflanze ab und verbessert die
Drainage des Bodens, Lehm speichert Nährstoffe und Feuchtigkeit ohne den Boden zu durchnässen und erhöht die Tragkraft und Festigkeit des Substrates. Für die Vielzahl der Pflanzen ist sie das geeignete Substrat. Dagegen sind viele
Spezialsubstrate ihr teures Geld häufig nicht Wert, denn sie unterscheiden sich in ihrer Zusammensetzung nicht oder kaum von gewöhnlicher Erde und halten in ihren Eigenschaften oft nicht das, was sie versprechen.
Das richtige Substrat Je nach Verwendungszweck sollte das Substrat bestimmte Anforderungen erfüllen. Die meisten Pflanzen benötigen ein lockeres, luft- und wasserdurchlässiges Substrat. Bodenhilfsstoffe wie Ton, Perlite, Styromull
und Kokosfasern geben dem Substrat diese Eigenschaften. Ich selbst habe gute Erfahrungen mit tonhaltigem Substrat gemacht, dem ich Perlite (unbehandelt!) und/oder Kokosfasern untergemischt habe. Je nach den Anforderungen, welche die Pflanze
stellt sollte der Anteil der Hilfsstoffe ein Drittel bis die Hälfte des Substrates betragen.
Von entscheidender Bedeutung ist auch der pH-Wert des Substrates. Die meisten Zimmerpflanzen benötigen ein leicht saures Substrat mit einem
pH-Wert von 5,5 bis 6,5. Bei Fertigsubstraten ist das meist ohnehin der Fall. Viele tropische Pflanzen und Farne bevorzugen ein saures Milieu um pH 5 herum. Moorbeetpflanzen, Orchideen und Rhododendren lieben es bei pH-Werten von 4,5 und
darunter sehr sauer. Den pH-Wert des Bodens kann man als Hobbygärtner am besten mit Teststreifen ermitteln, weil Testgeräte, die diesen Namen auch verdienen und einigermaßen verläßliche Ergebnisse leisten für den Privatgebrauch schlicht zu
teuer sind. Der pH-Wert des Bodens kann mit der Zeit ansteigen, wenn mit zu kalkhaltigem Wasser gegossen wird. Wie kalkhaltig das Wasser ist, kann man bei den örtlichen Versorgungsbetrieben erfragen. Allerdings kann der tatsächliche
Kalkgehalt (die Härte des Wassers) in Ihrem Haushalt abweichen, weil er durch alte Leitungen erhöht werden kann. Auch hier läßt sich der Kalkgehalt des Bodens am einfachsten mit entsprechenden Teststreifen überwachen. Zu alkalische Böden
lassen sich durch untermischen von Torf oder Kaffeesatz im pH-Wert senken. Ist der Boden zu sauer, läßt sich das durch biologischen Pflanzenkalk korrigieren.
Ein weiterer Faktor sind die im Substrat vorhandenen Nährstoffe. Die im
Handel erhältlichen Erden sind bereits mit Nährstoffen versetzt, so daß in den ersten vier bis sechs Wochen nach dem einpflanzen keine gesonderte Düngung erforderlich ist. Mischt man sein Substrat selbst an empfiehlt es sich, etwa ein
Drittel Humus beizugeben, den man, wenn man keinen eigenen Komposthaufen hat, bei vielen Kommunen erwerben kann. Wichtig ist dabei der Verrottungsgrad des Humus, denn bei nicht ausreichend verrottetem Substrat ist die Schimmelbildung schon
vorprogrammiert.
Spezialsubstrate Kakteen, Wüstenpflanzen und überhaupt Pflanzen aus ariden Klimazonen stellen andere Ansprüche an das Substrat. Für sie ist der Nährstoffanteil und die Bodenfestigkeit fertiger Substrate oft
zu hoch, was sich beheben läßt, wenn man kalkfreien Quarzsand unter das Substrat mischt.
Was man sich bei Kakteen durch selbstmischen sparen kann, empfiehlt sich aber bei Sumpfpflanzen wie Carnivoren: hier sollten Sie auf jeden Fall
auf ein Spezialsubstrat aus dem Handel zurückgreifen.
Anzuchtsubstrate Ein eigenes weites Spektrum bei den Spezialsubstraten decken die Anzuchtsubstrate ab. Wichtig für Anzuchtsubstrate sind zwei Faktoren: Keimfreiheit und
niedriger Nährstoffgehalt. Bei normaler Anzuchterde besteht dasselbe Problem wie bei Pflanzerde: bei minderwertiger Qualität besteht die Gefahr der Schimmelbildung, besonders bei dem warmen feuchten Klima, was für die meisten Pflanzen für
eine Keimung notwendig ist. Ein einfaches Mittel, um die Anzuchterde keimfrei zu bekommen ist die Erhitzung des Substrates in der Mikrowelle. Hierzu wird feuchtes Substrat in eine Schüssel gegeben, die Schüssel wird mit einem locker
aufliegenden Teller bedeckt, damit das Substrat nicht zu sehr austrocknet und der entstehende Dampf trotzdem entweichen kann. Dann wird das Substrat für 10 Minuten bei höchster Stufe erhitzt. Da Schimmelsporen allgegenwärtig in der Luft
vorhanden sind, ist das Problem der Schimmelbildung damit aber noch nicht gelöst. Zusätzlich sollte der Samen selbst und beim ersten Gießen auch das Substrat mit einem fungiziden Desinfektionsmittel, z.B. Chinolinolsulfat behandelt werden.
Außerdem sollte in der Keimumgebung für ausreichende Lüftung gesorgt werden. Zimmergewächshäuser sollten einmal pro Tag für mehrere Minuten gelüftet werden. Chinolinolsulfat wird nach eigenen Erfahrungen auch von jungen Keimlingen gut
vertragen und sollte bei Schimmelbildung auf dem Substrat wiederholt eingesetzt werden. Dabei ist jedoch besonders bei etwas älteren, in normale Erde umgetopften Pflanzen zu beachten, daß durch diese Maßnahme auch die Bodenorganismen
geschädigt werden. Hier sollte nur oberflächlich mit einem Sprühgerät und nicht durchdringend behandelt werden.
Eine Alternative zu torfbasierter Anzuchterde ist ein Substrat aus Kokosfasern, das häufig in Form gepreßter Ziegel auf
dem Markt ist. Die Ziegel werden in Wasser eingeweicht und ergeben dann ein Mehrfaches des ursprünglichen Rauminhaltes an Substrat. Vorteile des Kokossubstrates sind hohe Luftdurchlässigkeit und das fehlen von Nährstoffen. Verbleiben
Keimlinge aber mehr als die ersten zwei Monate im selben Gefäß ohne umgetopft zu werden, ist eine Düngung mit speziellem Dünger für Kokoskultur notwendig. Eigene Erfahrungen haben keine wesentlichen Unterschiede in Bezug auf Keimdauer oder
Anfälligkeit für Schimmel zwischen Anzuchterde und Kokossubstrat gezeigt. Mischt man die beiden Substrate (ein Drittel bis die Hälfte Kokosfasern) so erhält man ein lockeres, gut luftdurchlässiges Anzuchtsubstrat.
Auch Steinwolle
bietet den Vorzug frei von Nährstoffen und gut luftdurchlässig zu sein aber auch hier ist auf eine rechtzeitige Düngung der Keimlinge mit speziellem Dünger zu achten.
Gute Durchlässigkeit für Wasser und Luft sind eine wichtige Eigenschaft für
das Substrat. Am Grund des Topfes sollte immer eine ausreichende Drainageschicht eingebracht werden. Bei kleineren Töpfen hat sich Quarzkies mit einer Körnung von 4-8mm bewährt (z.B. Aquarienkies). Aber
auch Blähton, Kiesel oder Tonscherben erfüllen diesen Zweck und verhindern Staunässe und damit ein Faulen des Substrates und der empfindlichen Wurzeln.
Grafik: Marco Kluge |