Licht - Treibstoff für Pflanzenkraftwerke

Pflanzen brauchen Licht zum Leben. Licht liefert die Energie zur Photosynthese, dem Stoffwechselprozess, mit dem Pflanzen Wasser und anorganische Salze zu energiereichen organischen Verbindungen umwandeln, von denen sie sich ernähren.

Pflanzen haben aber sehr unterschiedliche Bedürfnisse an die Lichtverhältnisse. Ähnlich dem Wasser- und Nährstoffbedarf ist der Lichtbedarf jeder Pflanze eine individuelle Größe, die man wenn irgend möglich bereits beim Erwerb der Pflanze klären sollte. Die jeweils benötigte Lichtmenge hängt von der Pflanzenart und von ihrem jeweiligen Wachstumsstadium ab. So unterschiedlich die Bedürfnisse jeder Spezies sind, kann man doch einige allgemein gültige Regeln aufstellen.

Standort
Im Haus wie im Freien lassen sich generell vier verschiedene Standorttypen unterscheiden:

Sonniger Standort: hier erhalten die Pflanzen ganztägig oder zu bestimmten Tageszeiten direktes Sonnenlicht (z.B. Südfenster). Kakteen, Euphorbien, Banane, viele Pflanzen mit bunten Blättern, Crassula-Arten, Ficus-Arten, Yucca.

Heller Standort: im Haus ist das ein Standort direkt am Fenster, der jedoch meist keine direkte Sonneneinstrahlung hat (z.B. Westfenster). Dracena-Arten, Tillandsien, Myrthengewächse, Palmenarten, Saxifraga-Arten, Schefflera.

Halbschattiger Standort: geschützter Standort im Halbschatten, im wesentlichen ohne Sonneneinstrahlung (z.B. Ostfenster oder etwas vom Fenster entfernt aufgestellt). Dieffenbachia-Arten, Farne, Monstera, Spathiphyllum, Fatsia.

Schattiger Standort: keine Sonneneinstrahlung, meist Schatten, in Innenräumen nicht in der Nähe von Fenstern oder Nordfenster. Efeu, Philodendron, Grünlilie, einige Palmenarten wie Bergpalme oder Sagopalme, Crassula arborescens.


Nur ein Bruchteil des Lichtes, das den Pflanzen im Freien zur Verfügung steht, erreicht die Innenräume, wo auch am Fenster nur etwa 30% der Lichtmenge ankommt und nach ein bis zwei Metern bereits die minimal erforderliche Menge für die Pflanzen unterschreitet. Allerdings hängt es auch von den räumlichen Gegebenheiten ab (wie viele Fenster zu wievielen Seiten) und von der Jahreszeit ab, wieviel Licht innerhalb der Wohnung zur Verfügung steht.

In der Übersicht wurden bereits einige Pflanzen als Beispiele für den jeweiligen Standort genannt. Wieviel Licht benötigt nun aber welche Pflanze? Generell kann man sagen, dass Pflanzen mit dunkelgrüner Blattfarbe einen hohen Anteil an Chlorophyll besitzen und damit häufig mit weniger Licht auskommen. Pflanzen mit hellgrünen und solche mit bunten Blättern besitzen weniger Chlorophyll und benötigen daher auch mehr Licht. Kakteen und viele sukkulente Pflanzen sind an ihrem natürlichen Standort der prallen Sonne ausgesetzt und vertragen auch hier direkte Sonneneinstrahlung. Viele Pflanzen aus Tropenwäldern fristen ein schattiges Leben unter dem dichten Blätterdach des Dschungels und reagieren oft empfindlich auf direkte Sonne.

Das rechte Licht zur rechten Zeit
Auch die jeweilige Wachstumsphase hat einen Einfluß auf die Lichtbedürfnisse der Pflanzen. Die allermeisten Keimlinge und Jungpflanzen benötigen einen hellen Standort ohne direkte Sonneneinstrahlung. Stehen sie zu dunkel, vergeilen sie, d.h. sie bilden dünne, schwache aber hoch aufschießende Triebe mit weit auseinanderliegenden, oft blassen Blättern. Sind sie direkter Sonne ausgesetzt - und sei es nur für ein paar Stunden - verbrennen die meist noch zarten Blätter.

Anzeichen für einen zu dunklen Standort sind neben dem Vergeilen auch das "ergrünen" sonst bunter Blätter, Schädlingsbefall und schwächliches und langsames Wachstum der Pflanze.

Pflanzen, die eine Winterruhe einlegen, benötigen in dieser zeit meist wesentlich weniger Licht als im Sommer und blattwerfende Pflanzen können auch an einem dunklen Ort wie der Garage oder im Keller stehen. Pflanzen, die den Sommer im Freien und den Winter in der Wohnung verbringen, sollten im Frühjahr allmählich an die größere Lichtintensität gewöhnt und in den ersten Wochen an einem geschützten Standort bleiben.

Künstliche Beleuchtung
Wer in der dunklen Jahreszeit Keimlinge und Jungpflanzen aufzieht und auch, wer im Haus dunklere Ecken begrünen möchte, muss gegebenenfalls zu künstlicher Zusatzbeleuchtung greifen. Hier gibt es eine Reihe von Möglichkeiten aber nur wenige, die auch wirklich ihren Zweck erfüllen.

Pflanzen haben andere Vorlieben und Bedürfnisse als der Mensch, was das Licht angeht. Das von uns als angenehm und warm empfundene Licht einer normalen Glühlampe ist für Pflanzen ziemlich ungeeignet, weil es einen zu hohen und für die Pflanzen weniger wichtigen Rotanteil im Lichtspektrum besitzt. Für ein gesundes Wachstum benötigen die Pflanzen einen höheren Blauanteil, der aber einem kalten und ungemütlichen hellweißen Licht entspricht.



Die preisgünstigste Möglichkeit stellen Leuchtstofflampen dar, vorzugsweise solche mit kaltweißem Licht. Sie sind geeignet für den Pflanzenzüchter, der im Winter seinem Hobby nachgeht. Es sollte aber darauf geachtet werden, dass die Lampe nicht zu hoch über den Pflanzen aufgehängt wird, da die Lichtintensität und damit die Wirkung mit steigender Entfernung sehr schnell abnimmt. Für eine "Aufzuchtstation" empfiehlt sich ein Abstand von 40 bis 60 cm zwischen den Pflanzen und der Leuchtstofflampe.



Die wenigsten werden sich aber gern eine "Neonlampe" ins Wohnzimmer hängen wollen, um die Pflanzenecke auszuleuchten. Hier gibt es als Alternative (und zwar als recht teure Alternative) Natriumdampflampen mit Vorschalteinrichtung, die für Wohnräume konzipiert sind. Alle übrigen, meist auch teuren sogenannten Pflanzenlampen sind eher ungeeignet und meist das Geld nicht wert, weil der versprochene Wirkungsgrad schlicht nicht erreicht wird. Im professionellen Gartenbau werden meist Metalldampflampen (z.B. Quecksilberdampflampen) eingesetzt, die einen optimalen Wirkungsgrad besitzen und vom Energieverbrauch für professionelle Verhältnisse noch akzeptabel sind. Für den Privatgebrauch kann man das nicht behaupten, weder was die laufenden Kosten angeht noch die Anschaffung, da diese Lampen mehrere hundert bis weit über tausend Euro kosten.

Alle Fotos und Grafiken: Marco Kluge

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