Samenanzucht: Nach dem Keimen

War es vor dem Keimen der Samen wichtig, die Bedingungen in Bezug auf Temperatur und Feuchtigkeit konstant zu halten, kommen nun weitere Faktoren hinzu, die für eine erfolgreiche Anzucht zu berücksichtigen sind.

Kinderstube
Die Bedürfnisse des jungen Keimlings können sich erheblich von den bisherigen Umweltbedingungen unterscheiden. Wie sehr, das richtet sich auch danach, mit welcher Technik die Samen zum Keimen gebracht wurden. Meist werden abgedeckte Saatschalen oder Zimmergewächshäuser verwendet, die an einem warmen Ort stehen und durch die Abdeckung eine hohe Luftfeuchtigkeit gewährleisten.

Wärme

Die meisten Keimlinge sollten, nachdem ihre Keimblätter entfaltet sind, einige Grad kühler stehen als zuvor. Haben Sie z.B. Ihr Gewächshaus mit einer Heizmatte beheizt, sollte die nun abgeschaltet werden. Das Gewächshaus muss aber durch eine geeignete Isolierung (z.B. Styroporplatte) nach wie vor nach unten hin geschützt werden. Generell kann man sagen, wurden die Samen bisher oberhalb der Zimmertemperatur gehalten, reicht für die Keimlinge die normale Raumtemperatur.

Licht
Alle Pflanzen, auch die Dunkelkeimer brauchen, nachdem sie das Licht der Welt erblickt haben genau das - Licht. Viele von ihnen haben aber andere Lichtbedürfnisse als erwachsene Pflanzen. Für fast alle Keimlinge gilt: direktes pralles Sonnenlicht kann tödlich sein. Die jungen zarten Blätter werden sehr schnell von der Sonne verbrannt und damit wird der Pflanze ihre Lebensgrundlage entzogen. Diesen Lichtschutz darf man andererseits auch nicht mit "Dunkelhaft" verwechseln. Bekommen die Keimlinge in der ersten Zeit zu wenig Licht, vergeilen sie, d.h. sie bilden unnatürlich lange Triebe mit großen Abständen zwischen den aufeinanderfolgenden Blättern aus. Die Pflanze wird schwach und instabil. Am sichersten ist in den ersten Monaten ein Platz direkt an einem nach Norden ausgerichteten Fenster. Steht das nicht zur Verfügung, kann man die jungen Pflanzen mit einem weißen Blatt Papier wie mit einem Sonnenschirm etwas vor dem grellen Licht schützen.

Luft
Auch die Belüftung ist wichtig. Die Pflanzen müssen nun langsam von der gestockten Luft unter Glas entwöhnt werden. Zimmergewächshäuser verfügen meist über Lüftungsklappen, die nach und nach immer mehr geöffnet werden. Bei anderen Abdeckungen behilft man sich mit einem kleinen Holzstab, um die Abdeckung mit der zeit immer mehr zu kippen. Schließlich wird sie ganz entfernt. Die Pflanzen werden langsam abgehärtet. Beim Lüften der Räume ist aber darauf zu achten, dass unseren Kleinen keine zu kalte Außenluft oder gar Zugluft abbekommen. Auch darauf reagieren sie sehr empfindlich, vor allem die tropischen Arten.

Wasser
Häufigster Fehler bei der Aufzucht ist unangemessenes Gießen. Staunässe und zu häufiges gießen ist ebenso zu vermeiden wie ein austrocknen des Substrates. Ab jetzt ist wirklich auf die Bedürfnisse der einzelnen Spezies zu achten. Dabei spielt es eine große Rolle, welches Substrat für die Samenanzucht verwendet wurde. Torfbasierte Substrate haben eine hohe Speicherkapazität. Trocknen sie aber einmal völlig aus, nehmen sie Wasser nur noch sehr schlecht auf. Reines Kokossubstrat gibt Wasser aufgrund seiner lockeren Konsistenz viel schneller wieder ab, hier müssen Sie verstärkt darauf achten, das Substrat nicht austrocknen zu lassen.

Gießen sie vorsichtig. Es empfiehlt sich, ein Sprühgerät zu verwenden oder, wenn die Pflanzen einzeln getopft sind, in den Untersetzer zu gießen. Kommt das Wasser von unten, wird das Wurzelwachstum der Keimlinge gefördert.

Bildet sich auf der Oberfläche des Substrates Schimmel, ist es eindeutig zu feucht. Um die junge Pflanze dann noch retten zu können, muß das Substrat oberflächlich abgetragen und ggf. durch neues ersetzt werden. Die Pflanze sollte dann einen luftigen Standort bekommen und vor allem weniger gegossen werden. Eventuell kann in der ersten Zeit dem Gießwasser ein leichtes Fungizid beigegeben werden.

Dünger
Ein Pflanzensamen ist eine geniale Konstruktion der Natur. Er schützt das Erbgut der Pflanze nicht nur vor allerlei Unbill der Umwelt, bis hin zu Magensäure und Feuer, er gibt dem pflanzlichen Neubürger auch ein Freßpaket mit, das ihn in der ersten Zeit gut mit Nahrung versorgt. Für fast alle Keimlinge gilt daher, dass sie mindestens in den ersten zwei Monaten keinen Dünger benötigen. Danach sollten sie für weitere zwei bis sechs Monate (je nach Art) nur die Hälfte der auf dem jeweiligen Dünger angegebenen Dosierung bekommen. Ein Zuviel an Dünger verbrennt durch die gelösten Mineralsalze sonst die feinen und empfindlichen Wurzeln der Pflanze und tötet sie.

Auch beim Düngen kommt es auf das zur Keimung eingesetzte Substrat an. Normale Anzuchterde enthält bereits eine schwache Düngerkonzentration, man kann sich mit dem Nachdüngen also mehr Zeit lassen. Kokosfasern und Steinwolle sind frei von Dünger, hier muss früher und eventuell häufiger nachgedüngt werden.

Pikieren und Umtopfen
Haben Sie zur Aussaat Saatschalen verwendet, müssen Sie nun darauf achten, dass Ihre Schützlinge genügend Platz haben, um sich zu entwickeln. Etwa ab einer Größe von 3 - 4 cm sollten Sie die Pflänzchen, die zu dicht beieinander stehen, innerhalb der Saatschale verziehen. Am besten verwenden Sie dafür einen Pikierstab oder einen flachen, breiten Holzstab, den Sie entlang der Sproßachse in das Substrat einführen und so die Pflanze mit ihrem Ballen vorsichtig verschieben.

Sobald die Pflänzchen etwas kräftiger geworden sind, setzen Sie sie mit einem Löffel in einzelne Töpfe. Die Töpfe sollten nur wenig größer als der Wurzelballen sein. dasselbe gilt für das Umtopfen. Wenn die Wurzeln sich daran machen, durch die Abflußlöcher zu wachsen, ist es Zeit, die Pflanze in einen Topf zu versetzen, der nur einen 2 bis 3 cm größeren Durchmesser hat als der bisherige. Näheres zu diesem Thema finden Sie im Beitrag
Umtopfen.

Alle Fotos: Marco Kluge

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